Die Farbe des Stuhls kann sich verändern – oft harmlos durch Essen, Getränke oder Medikamente. Manchmal steckt aber auch eine Störung im Verdauungstrakt dahinter, z. B. Blutungen oder Probleme mit der Galle oder der Leber. Gallenflüssigkeit beeinflusst die Farbe stark: Auf dem Weg durch den Darm wird sie chemisch verändert – von grünlich bis braun.
Welche Farbe hat gesunder Stuhl?
Die Farbe entsteht während der Verdauung, beginnend im Dünndarm. Hier wird unsere Nahrung zerkleinert, die Nährstoffe werden aufgenommen und die Leber gibt alten abgebauten Blutfarbstoff, das gelb-grüne Hämoglobin oder Bilirubin, über die Galle ab. Im Dickdarm, wo der wässrige Nahrungsbrei durch Wasser und Elektrolytrückgewinnung eingedickt und geformt wird, wandelt unser Mikrobiom das Bilirubin um, Urobilinogen und Sterkobilinogen werden gebildet. Als Folge einer Oxidation bei der Ausscheidung entsteht daraus der braune Farbstoff (Sterkobilin).1,2
Was sagt die Farbe des Stuhls aus?
Die Farbe des Stuhls gibt uns meist Hinweise auf unsere Ernährung, Medikamente und die Geschwindigkeit der Verdauung. Bekommt er eine auffällige Farbe und kommen Beschwerden dazu, z.B. starke Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust, Kreislaufprobleme, Ohnmacht, anhaltendes Erbrechen, dann sollte das im Grunde ärztlich abgeklärt werden. Häufig werden Stuhlveränderungen zu spät entdeckt. Dies liegt vor allem an Tiefspül-WCs.
Stuhl-Veränderungen: Wann ist eine Stuhl-Verfärbung normal – und wann nicht?
Kurz gesagt: Einmalige Stuhl-Veränderungen sind in der Regel häufig harmlos. Besonders darauf achten sollte man, wenn die Verfärbung sich über mehrere Tage nicht mehr verändert oder sie mit Warnzeichen kombiniert ist (z. B. Blut, Schwindel, starke Schmerzen etc.).
Wenn Sie unsicher sind, notieren Sie 24 Stunden lang, was Sie gegessen/getrunken und welche Medikamente Sie genommen haben – das hilft bei der Einordnung.
Wieso ist der Stuhl grün?
Grüner Stuhl entsteht häufig durch Ernährung (z. B. viel grünes Gemüse) oder durch eine schnelle Darmpassage, bei starkem Durchfall oder einer Dysbiose. Bei Fieber oder Krankheitsgefühl, kann aber auch ein Infekt dahinterstecken. Eine weitere Möglichkeit ist eine Antibiotikatherapie.
Haben Sie mehr als 3 Tage Durchfall und Hausmittel sowie freiverkäufliche Arzneimittel helfen nicht, dann sollten Sie sich medizinischen Rat suchen.
Dass der Stuhl grün bleibt, liegt an den Gallenfarbstoffen, die weniger stark „umgebaut wurden“, hier war die Verfärbung von Bilirubin zu Sterkobilin nicht mehr möglich.3
Wieso ist der Stuhl schwarz, und wann sollte ich zum Arzt?
Schwarzer Stuhl kann durch Eisen- oder Wismutpräparate, Aktivkohle oder dunkle Lebensmittel (Brombeeren, Heidelbeeren, Lakritze, schwarze Kirschen o. Rotwein) entstehen. Es kann aber auch „Teer- oder Pechstuhl“ (Meläna) sein und damit auf eine Blutung im oberen Verdauungstrakt hinweisen (Speiseröhre/Magen/Zwölffingerdarm). Bei Meläna ist der Stuhl oft teerig-glänzend und stark-/übel-riechend.
Wenn schwarzer Stuhl neu ist und kein klarer Auslöser (Eisen/Aktivkohle) erkennbar ist, sollte er ärztlich abgeklärt werden – besonders bei teerig-glänzender Konsistenz, Bauchschmerzen, Schwindel oder Schwäche. Das kann auf eine innere Blutung hinweisen und sollte medizinisch abgeklärt werden.4
Bei einem Neugeborenen Kind tritt kurz nach der Geburt (24 h -28 h) ein schwarzer, z.T. grünlicher, Stuhl auf, das Mekonium, was in der Regel unbedeutend ist. Wenn es später auftritt, sollten dies allerdings medizinisch abgeklärt werden.5
Was bedeuten rot/rötliche oder orangefarbene Stuhlverfärbungen?
Rote Verfärbungen sind oft lebensmittelbedingt (z. B. Rote Bete), können aber auch Blut im Stuhl bedeuten – vor allem, wenn es nicht nur einmalig auftritt oder Begleitsymptome dazukommen. Es liegt meist eine Blutung im unterem Darmabschnitt vor, häufig ausgelöst durch Polypen oder Hämorrhoiden. Hier ist eine ärztliche Abklärung angeraten!6
Orange kann durch beta-carotinreiche Kost entstehen (z. B. Karotten/Kürbis) oder durch bestimmte Arzneimittel (Rifampicin z.B.) und ist meist harmlos. Es kann aber auch auf Galle oder Lebererkrankungen hinweisen.
Ziegelmehl (oder Ziegelmehlsediment) im Urin von Kindern, besonders Neugeborenen, ist meist ein harmloses, rötlich-oranges Sediment aus Harnsäurekristallen in der Windel. Es tritt oft in den ersten Lebenstagen auf und ist in der Regel unbedenklich. Tritt es später auf, kann es ein Hinweis auf zu wenig Muttermilch sein (Dehydratation).7, 8
Was bedeutet gelber, heller, weißer oder grauer lehmartiger Stuhl?
Gelber, weißer oder grauer Stuhl kann durch eine fehlerhafte Ernährung, Infekte oder eine gestörte Darmflora entstehen – meist begleitet durch Durchfälle. Der glänzend-klebrige, „fettige“ Stuhl kann auf Probleme der Fettverdauung hinweisen. Sehr heller, fettiger, weißer oder grauer Stuhl sollte ärztlich abgeklärt werden, weil er bei einem Gallestau, Steatorrhoe (Fettstuhl) bzw. Pankreasstuhl (Bauchspeicheldrüsenstuhl) vorkommt. Die Gallensekretion ist – man spricht von einem acholischen Stuhl. Sie sollten diese Symptome abklären lassen.9
Ein anderer Auslöser für grauen oder weißen Stuhl ist die Einnahme von Röntgenkontrastmitteln.10, 11
Schleimiger Stuhl: Was steckt dahinter?
Ein wenig Schleim ist normal – sichtbar „schleimiger Stuhl“ kann aber bei Reizung, Durchfall/Verstopfung oder bestimmten After- und Darm- oder Sexualerkrankungen auftreten. Wichtig: Die Kombination von Schleim mit Blut, starken Schmerzen oder Fieber sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden.12, 13, 14, 15, 16
Konsistenz-Check: Welche Form ist „normal“?
Nicht nur die Farbe, auch die Konsistenz des Stuhls kann wichtige Hinweise auf die Gesundheit des Verdauungssystems geben. Veränderungen in Form, Festigkeit oder Häufigkeit deuten manchmal auf harmlose Auslöser – aber auch auf mögliche Störungen im Magen-Darm-Trakt hin.
Wurstartige Stuhlformen werden häufig nach der Bristol-Stuhlformenskala klassifiziert. Als „ideal“ gelten oft Typ 3–4 der Bristol-Stuhlformen (geformt, glatt oder leicht rissig).
Nach der Bristol-Stuhlformen-Skala werden folgende 7 Typen, die die Stuhlkonsistenz beschreiben unterschieden:17
Die Bristol-Stuhlformen-Skala (1997) wurde von den britischen Medizinern Dr. Ken Heaton und S.J. Lewis an der University of Bristol entwickelt. Der Name bezieht sich auf den Ort ihrer Entwicklung, das Bristol Royal Infirmary, einem Lehrkrankenhaus in England.18
Farben & Konsistenz – typische Ursachen und was zu tun ist, für Sie im Überblick
Veränderungen der Farbe und Beschaffenheit des Stuhls können beunruhigend sein – dabei stecken meist harmlose Auslöser dahinter. Manchmal sind sie jedoch ein Warnzeichen für eine Erkrankung. Die folgende Übersicht hilft Ihnen, Veränderungen richtig einzuordnen und zu entscheiden, wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.
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Farbe/ Optik/Form |
Häufige harmlose Gründe |
Mögliche medizinische Ursachen (Beispiele) |
Was Sie tun können |
Ab wann zum Arzt? |
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Gelbbraun (normal) |
normale Verdauung |
Bristol-Stuhlform 3-4 |
beobachten |
nein |
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Grün |
grünes Gemüse, Lebensmittel-farbe |
schnelle Darmpassage, Infekt/Diarrhö. Bristol-Stuhlform 7 |
24–48 h beobachten, Flüssigkeit |
bei dauerhaftem Durchfall u. Fieber |
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Schwarz (teerig-glänzend) |
Eisen, Aktivkohle, Lebensmittel (z.B. Lakritze, Brombeeren, Rotwein etc.) |
Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt (Meläna). Bristol-Stuhlformen unterschiedlich. |
Bei Bauchschmerzen nicht abwarten, abklären |
zeitnah/sofort je nach Symptomen |
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Rot |
Rotwein, Rote Bete u.a. rote, Nahrungsmittel Farbstoffe |
Blutung im unteren Magen-Darm-Trakt, Hämorrhoiden, Polypen u. a. Bristol-Stuhlformen unterschiedlich. |
Was haben Sie gegessen? Häufiger Toilettenpapier prüfen |
bei Verdacht auf Blut |
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Orange |
Karotten, Kürbis, Beta-Carotin |
Störung der Galle/Leber/Fettverdauung (selten) |
1–2 Tage beobachten |
Beim nächsten Termin o. zusätzlichen Beschwerden |
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Gelb-hellgelb |
viele Milchprodukte, zu viel Fett in der Nahrung |
Infekt, gestörte Darmflora, ggf. Fettverdauungsstörung. Bristol-Stuhlformen 6-7 |
beobachten, Ernährung/Medikamente prüfen |
bei fettig-glänzend/anhaltend |
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Weiß-grau, lehmfarben |
– |
zu wenig/keine Galle im Darm (Leber/Galle). Bei Fettstuhl häufig die Bauchspeicheldrüse betroffen. Bristol-Stuhlformen 6-7 |
Wenn er sehr hell u. fettig ist, zeitnah ärztlich abklären |
Zeitnah abklären lassen, da auch eine Entzündung vorliegen kann. |
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Schleimig (klar/weißlich) |
leichte Reizung, Verstopfung/Durchfall |
Entzündung/Infekt (Eiter), Reizdarm u. a.. Bristol-Stuhlformen unterschiedlich |
Verlauf/Geruch + Begleitsymptome notieren |
Zeitnah bei Blut, Schmerzen, Fieber und Juckreiz |
3 Schritte Selbstcheck bei auffälliger Farbe/Konsistenz
Wenn der Blick in die Toilette oder auf das Toilettenpapier ungewohnte Farben oder Formen zeigt, kann das oft erstmal beunruhigend sein. Doch, nicht immer steckt etwas Ernstes dahinter. Mit diesen drei einfachen Schritten können Sie selbst einschätzen, ob Sie den Veränderungen gelassen begegnen können – oder lieber ärztlichen Rat einholen sollten:
Was war neu in den letzten 48 Stunden?
Haben Sie vielleicht ungewohnte Lebensmittel gegessen (z. B. stark gefärbte Speisen oder Rote Bete)? Alkohol getrunken? Neue Medikamente wie Eisen, Aktivkohle, Antibiotika oder Abführmittel eingenommen? Diese können die Farbe und Konsistenz des Stuhls beeinflussen – meist ohne Krankheitswert.
Gibt es begleitende Beschwerden und Symptome?
Haben Sie Bauchschmerzen, Fieber, anhaltenden Durchfall oder Verstopfung, Schleimbeimengungen, sichtbares Blut oder Kreislaufprobleme wie Schwindel? Dann könnte unter Umständen mehr dahinterstecken.
Beobachten oder besser zum Arzt?
Beobachten: Wenn die Veränderung einmalig auftritt und keine Beschwerden hinzukommen, reicht oft ein wenig Geduld – der Körper reguliert sich meist von selbst.
Abklären: Bei schwarzem, teerartigem Stuhl, sehr hellem oder weiß-grauem Stuhl, sichtbarem Blut (auch in Verbindung mit Schleim) oder anderen Warnzeichen wie Schmerzen oder Fieber sollten Sie allerdings ärztlichen Rat einholen – besser einmal zu viel als zu wenig.
Auch wenn Veränderungen beim Stuhl im ersten Moment erschrecken können – oft sind sie harmlos und gehen von allein wieder vorbei. Wer seinen Körper gut beobachtet und typische Auslöser kennt, kann viele Veränderungen richtig einordnen. Gleichzeitig gilt: Bei anhaltenden Auffälligkeiten oder begleitenden Beschwerden ist eine medizinische Abklärung wichtig, um ernste Ursachen auszuschließen.
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er soll Ihnen dabei helfen, Ihren Körper besser zu verstehen und Symptome einzuschätzen. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Unsicherheiten wenden Sie sich bitte zur Beratung und klaren Diagnose zeitnah an eine medizinische Fachkraft.